Französische Segler bieten Gratis-Törns für Ärzte und Pflegepersonal

Symbolbild
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Der Eigner eines Lagoon 38-Katamarans wollte mehr machen, als „nur“ den Lebensrettern mit Applaus vom Balkon aus zu danken. Seine Initiative machte Schule – mittlerweile folgen Dutzende Skipper seinem Aufruf.

Weltweit engagieren sich immer mehr Segler im Kampf gegen die Corona-Pandemie. So nähen – thematisch naheliegend – deutsche, amerikanische, französische und britische Segelmacher teils im Akkord die so dringend benötigten Schutzmasken fürs Gesicht (SR-Bericht). In Spanien haben sich TP 52- und Maxi-Segler zu professionell koordinierten Initiativen zusammen geschlossen: Sie produzieren Schutzkleidung und Plastik-Visiermasken – u.a. auf 3D-Druckern, mit denen sonst Ersatzteile für die Regatta-Renner hergestellt werden.

Kostenlose Törns

In Frankreich feiert derzeit die vermeintlich kleine Geste eines Seglers große Wirkung und erhält vor allem in den sozialen Medien viel Applaus. Inspiriert von großen Luxus-Hotels, die etwa in Paris oder entlang der Cote d’Azur ganze Etagen kostenlos für erschöpfte Ärzte und Pflegepersonal bereit stellen, bietet nun Jean-Luc Guitard seinen Katamaran für kostenlose Segeltouren an.

Der Skipper aus dem französisch-italienischen Grenzstädtchen Menton will im kommenden Sommer vor allem Pfleger und Ärzte, die nach 36-Stunden-Schichten einfach mal einen Break oder Tapetenwechsel brauchen, auf kurze Ein- bis Zwei-Tages-Törns mit aufs Mittelmeer nehmen.

Der Eigner eines Lagoon 380-Katamarans hat sich, wie viele Franzosen, die derzeit die vierte Woche totaler Ausgangssperre absitzen, jeden Abend mit dem fast schon rituellen Topfschlagen auf den Balkonen für den unermüdlichen Einsatz des Klinikpersonals bedankt. „Doch irgendwann war mir das nicht mehr genug,“ berichtete der Skipper lokalen Medien. „Ich wollte ein Zeichen setzen. Schließlich gehöre ich als angehender Rentner zur Risikogruppe – diese Menschen hätten auch mich retten können!“

Weitere Skipper schließen sich an

Unter dem Namen „Bateaux des Coeurs“ öffnete Guitard eine Facebook-Seite, bot seine Gratis-Törns für das Pflegepersonal und Ärzte an und forderte andere Skipper mit ähnlichen Ambitionen auf, sich bei ihm zu melden. „Die Reaktionen waren und sind verblüffend,“ schreibt Guitard in den Sozialen Medien.

„Mittlerweile haben sich Dutzende andere Skipper meiner Initiative angeschlossen und bieten kostenlose Ein- oder Mehrtagestörns für das medizinische Personal in den Krankenhäusern und Pflegeheimen an.“ Unter allen gebotenen Vorsichts- und Schutzmaßnahmen, versteht sich. Und in der Hoffnung, dass die derzeit strikte Ausgangssperre bis dahin gelockert wird.

Der Name „Bateaux des Coeurs“ (Boote der Herzen) weckt speziell bei Franzosen Erinnerungen an die weltberühmte Initiative des französischen Komikers Coluche. Er startete Mitte der Achtzigerjahre die „Restos du Coeurs“ (Restaurants der Herzen), die während der Wintermonate Nahrung und Kleidung an Bedürftige verteilt bzw. in speziell ausgewiesenen Restaurants kostenlose Menüs für Obdachlose serviert.

Zur Nachahmung empfohlen

Der Immobilien-Makler Guitard ist sich sicher, dass sein Beispiel weiter Schule machen wird. Er werde jedenfalls alle Törns, die er in diesem Sommer mit seiner Familie und Freunden in Griechenland segeln wollte, absagen. Es sei „an der Zeit, den Lebensrettern das Leben ein wenig zu versüßen und ihnen so zu danken“.

Eine Initiative, die Guitard auch grenzüberschreitend zur Nachahmung an allen Küsten und auf Binnenseen empfiehlt.