Written by thomas.jaeger    Sunday, 31 December 2017 06:13
My Ride – Ein Boot für die Weltumsegelung

Wer träumt nicht von einem endlosen Boottrip um die Welt? Der Österreicher Flo Orley hat seinen Traum wahr gemacht und sticht gerade mit seiner Familie in See. Ende? Nicht absehbar.

Von den Bergen ans Meer

Flo Orley ist eigentlich in den Bergen zu Hause. Oder zumindest war es der 41–jährige Österreicher aus Innsbruck für viele Jahre, während er als Snowboard-Pro auf der Freeride World Tour mitfuhr. Nun hat Flo allerdings seine Snowboard-Karriere beendet, einen Katamaran gekauft und wird mit seiner Familie auf der Suche nach Wellen und Abenteuern die Welt umsegeln.


Das Boot

Im August war Flo auf Trinidad in der Karibik und kaufte den Katamaran, der für die nächsten Jahre das Zuhause für ihn und seine Familie sein wird. „Er ist 12 Meter lang und 7 Meter breit. Das ist schon eine gute Länge, aber am liebsten hätte ich ein noch etwas größeres Boot, so von 14 Metern Länge. Bei Schiffen macht das aber einen gewaltigen Preisunterschied aus, das wäre dann fast der doppelte Preis gewesen.“ Billig ist ein Katamaran von 12 Metern allerdings auch nicht, würden man für den Preis doch in vielen Städten eine Wohnung bekommen. Verkauft hat das Boot ein 60-jähriger Südafrikaner, der die Welt damit umsegeln wollte. Leider hat seine Freundin nicht mitgespielt und schon nach der Fahrt über den Atlantik gesagt: „Danke, das war’s.“ Noch trägt der Katamaran auch den Namen „Turning Point“, auf den der Vorbesitzer das Boot taufte. Bald wird es aber „Snowflake“ heißen. Gedauert hat die Suche etwa ein halbes Jahr und angeschaut hat Flo nur noch ein einziges anderes Boot in den USA. Das war aber schon 17 Jahre alt und würde daher in einigen Jahren nicht mehr so gut zu verkaufen sein.

Der Plan

„Ich bin 2009/2010 schon einmal über den Pazifik gesegelt, damals mit meiner heutigen Frau Nina. Das war ein Trip von einem Jahr, bis wir auf Bora Bora erfahren haben, dass wir Nachwuchs bekommen. Da haben wir beschlossen, dass der in Österreich auf die Welt kommen soll, haben das Boot verkauft und sind zurück nach Hause. Aber wir haben gesagt, dass wir das nochmal machen werden und zwar als Familie. Der Zeitpunkt ist jetzt gekommen, unsere Kinder sind sechs und sieben Jahre alt, und wir haben nun einige Jahre Zeit, bis die beiden uns vielleicht im Teenageralter sagen, dass sie keine Lust mehr haben. Somit gibt es auch kein geplantes Ende unserer Reise. Um das möglich zu machen, haben wie jahrelang auf diesen Trip gespart. Wir haben eine Wohnung in Innsbruck gekauft, die wir vermieten und einen Bauernhof von der Oma, den wir auch vermieten – so kommen wir finanziell über die Runden.“

Die Route

„Startpunkt ist die Karibik, wo wir das Boot gekauft haben. Da geht es im Januar los. Dann steht erstmal ein halbes Jahr Karibik auf dem Programm. Das ist ideal, um sich aufzuwärmen, da die Distanzen von Insel zu Insel recht kurz sind. Dann wollen wir durch den Panamakanal in den Pazifik. Surfspots sind auch immer wichtig bei der Routenplanung. Auf unserer ersten Reise blieben wir teils zwei Wochen an Spots, die man nur per Boot erreichen kann. Man verbringt als Weltumsegler ja 90 Prozent der Zeit nicht auf hoher See, sondern vor Anker, surft einsame Wellen und sieht exotische Inseln. Zumindest ist das Grund, warum wir diesen Trip machen. Das Segeln ist dabei nur ein Mittel zum Zweck.“

Segelerfahrung

„Mein Mutter kommt vom Wolfgangsee und da hatte ich schon mit sieben Jahren mein erstes Boot. Aber natürlich muss man auch aus der einen oder anderen Erfahrung lernen. Etwa den Wetterbericht nicht genau zu lesen, einfach loszusegeln und sich plötzlich im heftigsten Sturm wiederzufinden. Da lernt man schnell, dass es besser ist, einfach abzuwarten und eine Woche später zu segeln, wenn Wind und Wetter besser sind.“

Worst Case

„Schlecht ist, wenn jemand auf hoher See schwer krank wird oder sich verletzt. Auf unserer ersten Reise nahmen wir einen jungen Finnen von den Galapagos Inseln aus Richtung Südpazifik mit. Da siehst du wochenlang kein Land, und genau auf der Hälfte holte er sich eine Blutvergiftung. Zum Glück erreichten wir über Funk ein Boot, das das richtige Antibiotikum an Bord hatte und uns nach drei Tagen erreichte. Das hat ihn gerettet. Man will natürlich auch nicht nachts irgendwo auf ein Riff auflaufen und dann in die Rettungsinsel steigen. Daher tut man alles, um solche Situationen von vornherein schon zu vermeiden. Sich etwa in einer sicheren Bucht zu verstecken, wenn ein Sturm tobt, jeden Tag den Wetterbericht zu checken, nachts nur mit kleinen Segeln unterwegs zu sein…“
Homeschooling

„Als Österreicher ist es kein Problem, seine Kinder selbst zu unterrichten. In Deutschland dagegen schon, da würden wir mit unserem Plan wahrscheinlich vor Gericht scheitern.“

Wer die Weltreise von Flo und seiner Familie verfolgen möchte, kann dies über Facebook oder Instagram tun.

 
admg   

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