Aus dem Tagebuch eines Frachtschiffs: Unter vollen Segeln

Wer den Atlantik ohne Motor überquert, braucht starke Nerven
article inline
 
 
 

Rum, Schokolade, Kaffee – eine Handvoll Pioniere bringt fair produzierte Waren allein mit Muskelkraft und Schweiß über die Meere. Der Fotograf Pierre Fromentin ist mitgereist – und dem Zauber des alten Schiffes erlegen.

Amsterdam/Berlin/Stuttgart – Erst durch die Karibik segeln, dann über die Azoren zurück nach Amsterdam segeln – so lautetet der ungewöhnliche Auftrag, mit dem für den Fotografen Pierre Fromentin ein Jugendtraum in Erfüllung ging. Die niederländische Firma Fairtransport wollte, dass er die Arbeit an Bord ihres Frachtseglers Tres Hombres dokumentiert.

„Ich lernte Segel zu setzen, half an Deck und übernahm Nachtschichten wie alle anderen“, sagt Fromentin. „Das war eine einzigartige Erfahrung, die ich nie vergessen werde“, schwärmt er. Die besten Fotos hat er nicht nur auf seiner Internetseite veröffentlicht, sondern auch auf Instagram – dort verfolgen Zehntausende die Reisen des Schiffes über die Ozeane. Außerdem arbeitet er an einem Bildband zu der Reise.

Die Frachtsegler und ihre piratengleiche Mannschaft mögen ein wenig altertümlich erscheinen, doch der Traum dahinter ist es nicht: Jorne Langelaan, Andreas Lackner und Arne van der Veen, die drei Gründer von Fairtransport, wollen sauberen Transport konkurrenzfähig machen. 2007 lernten sich die drei auf einem Schiff kennen. Kurz darauf fanden sie die Tres Hombres im Hafen von Delft, machten sie wieder flott und begannen 2009, Waren zu segeln. Die moderne Schifffahrt ist heute für 2,5 Prozent des globalen Kohlendioxid-Ausstoßes verantwortlich. Containerschiffe laufen mit Schweröl, die Frachtsegler dagegen brauchen nichts als Wind und Muskelkraft. Allerdings sind sie langsam – und ihre 40 Tonnen Fracht nehmen sich gegen die bis zu 23 000 Container an Bord eines modernen Frachters winzig aus.

Dafür bringt die Tres Hombres die Augen der Menschen zum Leuchten, wenn sie in einem Hafen anlegt. Und der Markt für faire Produkte, die auch umweltfreundlich gereist sind, wächst kontinuierlich. Wer es sich leisten kann, einen teuren Rum zu trinken, der schätzt es, wenn der Inhalt seines Glases nie auch nur in der Nähe von Schweröl war. Pierre Fromentin ist indessen schon mit dem nächsten Schiff aufgebrochen. Wieder unter vollen Segeln.