Leipzig Wassersport-Messe eröffnet: Segel-Lust und Seen-Frust auf der „Beach & Boat“

Diese Wassersportler, wie gestern im 550 Quadratmeter großen Messe-Pool unterwegs, sind im Neuseenland erlaubt – Motorisierung nicht
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Leipzig – Eigentlich soll die „Beach & Boat“ (bis 23. Februar) schon Lust auf den Sommer machen. Aber auf der größten Wassersport-Messe Mitteldeutschland ist die Stimmung abseits von 550-Quadratmeter-Pool und Probier-Tauchbecken eher bewölkt…

Nur noch rund 100 Aussteller zeigen in diesem Jahr ihre Neuheiten – etwa 50 weniger als im Vorjahr. Zudem mehren sich vor Ort die kritischen Stimmen zur Entwicklung der Seenlandschaft in Mitteldeutschland.

Seit 1991 haben Bund und Freistaat insgesamt rund vier Milliarden Euro allein in die Sanierung der sächsischen Braunkohle-Reviere investiert – darunter das Neuseenland im Leipziger Südraum. „Die Beach & Boat haben wir vor zwölf Jahren gegründet, um die Wassersport-Entwicklung abzubilden“, sagt Messechef Martin Buhl-Wagner (53). Doch die Entwicklung stagniere. „Die Besucherzahlen sind konstant statt zu wachsen. Jedes Jahr erzählt uns jemand aus dem Ministerium, dass jetzt die Schiffbarmachung für die Tagebauseen endlich geregelt wird – und dann passiert wieder nichts. Das steht auch uns im Weg.“

Auch Bootsbauer Ralf Peine (50) aus Dessau sieht die Entwicklung der Seenlandschaft kritisch: „Wassersport ist mehr als Segeln und Kanu fahren. Es wird die Chance verpasst, ein wirklicher Tourismusmagnet zu werden. Jede Planung und Idee wird verhindert oder vertagt. Das Ganze ist ein teures Desaster auf Kosten der Steuerzahler. Etliche Kollegen in der Branche sind längst ausgestiegen. Wer kauft Boote, wenn er nicht weiß, was er am Ende wo nutzen darf?“

Darunter leiden auch die Zwenkauer Bootsbauer „Kayser“, die sogar schon ein großes Grundstück direkt am Wasser gekauft hatten. „Für eine Firmenzentrale mit Werft, Showroom, etc. – alle Pläne waren fertig“, sagt Tanja Kayser (41). „Doch dann scheiterten wir an der Bürokratie und merkten, dass sich gar nichts tut. Im letzten Moment haben wir zum Glück alles wieder rückgängig gemacht. Jetzt besitzen wir einen Bootsverkauf am Stadtrand. Die großen Pläne liegen auf Eis.“