Finale in der Segel-Bundesliga: Der VSaW steht vor dem Titelgewinn

Da sitzt alles. Am letzten Wochenende der Saison ist der Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) bei den Finalregatten an der...

 
 
 

Zum ersten Mal seit Gründung der Segel-Bundesliga könnte mit dem Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) ein Meister aus Berlin kommen.

Es müsste schon einiges gehörig schief laufen für den Berliner Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW), um an diesem Wochenende in Glücksburg nicht Deutscher Meister in der Segel-Bundesliga zu werden. Das Team um die Steuerleute Jasper Wagner und Tim Elsner hat in der Saison eine beeindruckende Konstanz gezeigt und die Konkurrenz deutlich dominiert. An drei von fünf Wochenenden hat es gewonnen, bei den übrigen landete es jeweils auf dem vierten Rang. Der Abstand zum momentan zweitplatzierten Bayrischen Yacht-Club beträgt 15 Punkte. Die Crew aus Starnberg müsste also theoretisch erster und der VSaW 15. werden, um das wettzumachen.

Davon ist nach allem, was die Berliner gezeigt haben, bei den am Donnerstag auf der Flensburger Förde begonnenen Finalregatten nicht auszugehen. Zum ersten Mal seit Gründung der Segel-Bundesliga im Jahr 2013 werden sie also wohl die Meisterschale an den Wannsee holen. Ob das auch ein Ende der Vorherrschaft vom Erzrivalen Norddeutscher Regattaverein (NRV) bedeutet?

Der renommierte Club mit Sitz an der Alster hat die Bundesliga mit vier Meistertiteln (2013, 2014, 2017, 2018) lange beherrscht. Tobias Schadewaldt und seinen Mitstreitern war einfach nicht beizukommen. Wobei sich im Duell zwischen den Nord- und den Südklubs immerhin der Deutsche Touring Yacht-Club vom Starnberger See zweimal an den Hamburgern vorbei an die Tabellenspitze setzen konnte. Eine Wachablösung war das allerdings nicht.

Der VSaW stellte als Gründungsmitglied der Bundesliga und als ausgewiesene Kaderstätte von Beginn an Teams zusammen, die zu den besten zählten. Nach zwei dritten Rängen und einem Vizemeistertitel 2016 hoffte man, schon viel früher die eigenen Meisterambitionen erfüllen zu können. Doch daraus wurde nichts. So verbindet sich mit der jetzigen Meisterschaft auch eine neue Strategie.

Man habe die Segel-Bundesliga zunächst als Möglichkeit betrachtet, sagt Frank Butzmann vom VSaW, den Junioren etwas zu bieten, das ihren Ehrgeiz dauerhaft wecken würde. Denn die meisten Vereine, deren Mitglieder an olympischen Segelkampagnen teilnehmen, haben das Problem, dass ihren Spitzenleuten irgendwann die Herausforderungen fehlen. Dem wollte man durch einen Pool von mehr als einem Dutzend Nachwuchsseglern begegnen, die für die Bundesliga trainieren und regelmäßig Wettkämpfe auf höchstem Niveau austragen. So würden sie in der Übergangsphase zwischen jugendlichem Leistungssport, Studium und Job dem VSaW verbunden bleiben.

Mit dem Titelgewinn würde sich der VSaW automatisch für das Nord Stream Race qualifizieren

Die Rechnung ging zunächst auch auf. Doch zeigte sich mit zunehmender Professionalisierung der Liga, dass das Rotationsprinzip zu wenig Beständigkeit ins Team brachte. Ein Umbau war nötig. Und er bot sich sogar an, als mit der Gründung der Junioren-Liga ein Betätigungsfeld für Neueinsteiger geschaffen wurde.

Der VSaW ging daran, eine Mannschaft aus acht Seglern zusammenzustellen, die sich optimal ergänzen sollten. Mit Jasper Wagner bot sich ein Steuermann an, der seine Meriten auf der olympischen 470er-Jolle gesammelt hatte. Doch brauchte es auch jeweils gute Taktiker, die ihn über den Parcour leiten konnten und dieselbe Sprache benutzten. „Eines der größten Hindernisse für den Erfolg“, sagt Wagner am Telefon, „sind Missverständnisse an Bord.“

Jeder Segler hat ein anderes Zeitgefühl, nach dem er seine Manöver plant. Und nichts ist so störend wie die Ungeduld eines Vordermanns, der einen zur Tat drängen will. Um solche kleinen Friktionen beherrschen zu lernen, sind viele gemeinsame Stunden auf dem Wasser nötig. Davon hatte das VSaW-Team in dieser Saison genug. „Man muss wissen, wie der einzelne reagiert“, sagt Wagner, „vor allem in unvorhersehbaren Situationen.“ Ihre Stärke seien 2019 die Vorwindkurse gewesen, in denen es stärker um taktische Entscheidungen geht.