Rennboot als Forschungsschiff: Sauber um die Welt

Rennboot als Forschungsschiff

 
 
 

Ein ehemaliger Rennkatamaran dient als Forschungsschiff für umweltfreundliche Antriebe. Es ist das erste Boot, das nur mit Energie aus Sonne, Wind und selbsterzeugtem Wasserstoff unterwegs ist.

Dieses Boot erlebt eine faszinierende zweite Karriere: Vor 25 Jahren gewann die „Enza New Zealand“ die Jules-Verne-Trophy. Der Neuseeländer Sir Peter Blake und der in London geborene Sir Robin Knox-Johnston schafften die Nonstop-Weltumsegelung in der damaligen Rekordzeit von 74 Tagen, 22 Stunden, 17 Minuten und 22 Sekunden. Heute trägt das ehemalige Rennsegelboot den Namen „Energy Observer“ und ist das erste Boot, das nur mit Energie aus Sonne, Wind und selbsterzeugtem Wasserstoff unterwegs ist und somit weder Treibhausgase noch Feinstaub emittiert. Mit seiner französischen Crew befindet sich der umgebaute Katamaran auf einer sechs Jahre währenden Reise rund um den Globus. In 101 Häfen in 50 Ländern wird das private Forschungsschiff unter der Leitung des ehemaligen Regattaseglers Victorien Errusard und des Dokumentarfilmers und passionierten Tauchers Jérôme Delafosse anlegen.

Die beiden engagierten Klimabotschafter verfolgen mit ihrer „Odyssee für die Zukunft“ eine Mission. Sie wollen das Potential erneuerbarer Energiequellen und -speicher aufzeigen und beweisen, dass nachhaltiges Reisen schon heute möglich ist. Die „Energy Observer“ sei ein Modell künftiger Mobilität, sagt Skipper Errusard. Sie liefere Anstöße und Lösungen, wie Energie aus der Natur nachhaltig und verträglich gewonnen werden könne. Gleichzeitig diene sie der Erprobung von Technologien, die für Energienetze der Zukunft in größerem Maßstab angewandt werden könnten.

Gebaut wurde der Katamaran 1983 in Kanada für Hochseerennen. Ursprünglich 24,38 Meter lang, wurde die „Formule Tag“, wie das Boot zunächst hieß, viermal verlängert. Heute ist das Schiff 30,50 Meter lang und 12,80 Meter breit. Nach einer erfolgreichen Rennkarriere, unter anderem als „Enza New Zealand“, „Royal & Sun Alliance“, „Team Legato“ oder „Daedalus“, fährt es heute als schwimmendes Labor der erneuerbaren Energien.

Beeindruckt von dem Erlebnis eines totalen Stromausfalls inmitten des Atlantiks, wo er sich umgeben von enormen Mengen an Windkraft und Sonnenenergie sah, die er allesamt nicht nutzen konnte, entwickelte Errusard 2013 die Idee eines autarken Boots, das zudem schadstofffrei und klimaneutral unterwegs sein sollte. Unterstützung fand der im bretonischen Saint-Malo geborene Segler, der unter anderem einmal an der Route du Rhum und viermal an der Regatta Transat Jacques Vabre teilgenommen hat, durch den professionellen Taucher, Fotografen und Buchautor Jérôme Delafosse, den jetzigen Expeditionsleiter des Projekts. Rund sechs Millionen Euro kosteten der Umbau des ehemaligen Rennkatamarans und seine technische Ausstattung, die Projektkosten belaufen sich auf weitere drei Millionen Euro jährlich. Zahlreiche Partner unterstützen die „Energy Observer“ auf ihrer Reise. Auch der japanische Automobilhersteller Toyota, der mit der elektrisch angetriebenen Mittelklasselimousine Mirai einen der wenigen in Deutschland erhältlichen Personenwagen produziert, der die Energie aus einer Brennstoffzelle bezieht, ist Sponsor.