Verein in Platznöten: 20 Boote suchen ein Zuhause


 
 
 

Der Wassersportverein Am Schmarler Graben braucht ein neues Winterquartier für seine Boote. Die Stadtverwaltung macht wenig Hoffnungen. Eine Marina wäre für die Bootsbesitzer zu teuer.

Rostock-Marienehe. Sieghard Buchberger ist verzweifelt: Auf einem Hof hinter einer Halle in Marienehe steht er inmitten der Boote seines Vereins WSV Am Schmarler Graben. Seit 2005 konnten die Vereinsmitglieder die Fläche auf dem früheren Gelände der Rokoma-Marmeladenfabrik als Winterquartier nutzen, doch damit ist es vorbei. Zum 1. Juni hat der private Vermieter den Wassersportlern gekündigt. „Er hat wohl einen Nachmieter, der mehr bezahlen kann“, sagt Buchberger. Nun ist der Verein händeringend auf der Suche nach einer neuen Bleibe für die kalte Jahreszeit.

In der jetzt beginnenden Saison hat der Verein seine Liegeplätze am Schmarler Fährhaus. Einige Mitglieder haben ihre Boote auch schon zu Wasser gebracht. „Ideal wäre für uns die ehemalige Feuerwache in Schmarl, die liegt gleich nebenan“, sagt Buchberger. So groß sind die Ansprüche des WSV gar nicht. „800 Quadratmeter würden uns schon reichen, zur Not auch weniger. Wichtig wäre nur, dass die Fläche nahe am Wasser liegt.“

Denn der Verein schleppt die Boote mit einem eigenen Traktor zur Warnow – und der darf nur sechs Kilometer pro Stunde fahren. Meistens nehmen die Wassersportler den nahen Yachtservice Pohl in der Schonenfahrerstraße in Anspruch, um die Boote ins Wasser zu kranen. „Aber wir mussten auch schon einmal auf einen weiter entfernteren Anbieter zurückgreifen, da waren wir pro Boot eine Stunde unterwegs“, erklärt Buchberger. Macht also bei 20 Booten im Winterlager fast einen ganzen Tag.

Auf der Suche nach einem neuen Winterquartier hat Buchberger schon fast alle Anlieger beiderseits der Warnow abgeklappert – ohne Erfolg. „Ich habe auch bei den Werften angefragt. Von den MV Werften haben wir gar keine Antwort bekommen, die Neptun Werft hat uns mitgeteilt, dass sie selbst Flächen sucht“, so Buchberger. Besonders schade: Direkt neben Yachtservice Pohl gibt es eine Brachfläche, die den Ansprüchen des Vereins genügen würde. Aber auch für diese werden derzeit wohl schon Pläne für eine Nutzung erarbeitet, hat Buchberger erfahren.

In seiner Not hat sich der Verein auch an die Stadt gewandt, das Anliegen wurde sogar in der Bürgerschaft vorgetragen. „Der Oberbürgermeister hat uns auch Unterstützung zugesichert“, so Buchberger. Doch sowohl Bausenator Holger Matthäus (Grüne) als auch Hafenkapitän Gisbert Ruhnke winken ab: „Ich kann keine Flächen zur Verfügung stellen“, sagt Ruhnke auf OZ-Anfrage. „Aber es gibt doch viele private Anbieter“, rät er.

Doch der WSV Am Schmarler Graben muss auch auf die Kosten schauen: „Wir sind alle keine Großverdiener, unter den 89 Vereinsmitgliedern sind auch viele Rentner und Arbeitslose“, erklärt Buchberger. Die Boote sind durch die Bank nicht neu, viele stammen noch aus DDR-Zeiten. „Natürlich wäre es schick, wenn wir uns in einer Marina einmieten würden, aber das würde das Dreifache kosten.“

Insgesamt umfasst die Flotte des Vereins 70 Boote – so viele Liegeplätze hat der WSV auch in Schmarl. Viele Mitglieder stellen ihre Boote über den Winter zu Hause oder anderswo im Binnenland ab. Doch die anderen brauchen ein gemeinsames Winterquartier. „Wenn wir wieder eine sichere und bezahlbare Fläche bekommen, würden sicher noch mehr ihr Boot dort überwintern lassen“, glaubt Buchberger.

Eigentlich hat der Verein ja noch Einen gut bei der Stadt: Sein erstes Zuhause hatte der WSV hinter dem alten Liegeplatz der „Georg Büchner“ in Schmarl. „Im Winter konnten wir unsere Boote an Bord der ,Georg Büchner’ lagern“, erinnert sich Buchberger. Auch Vereinstreffen wurden auf dem Schiff abgehalten Doch für die Internationale Gartenbauausstellung Iga 2003 musste der WSV weichen – vorübergehend, wie die Mitglieder damals dachten. „Oberbürgermeister Arno Pöker hatte uns zugesagt, dass wir nach der IGA eine neue Fläche in der Nähe bekommen sollen“, so Buchberger. Doch daraus wurde nichts. Vor 14 Jahren wurde dann das Quartier in Marienehe gefunden, mit dem die Wassersportler auch zufrieden waren. Bis dann vor Weihnachten die Kündigung kam.