Yacht-Sharing: Die größte Yacht der Welt für jedermann


 
 
 

Wir teilen Wohnungen, Ferienunterkünfte und Autos. Doch Yachten? Wie Sharing-Modelle auf dem Wasser Wellen schlagen, zeigt das Konzept „Valkyrie“.

Auf dem Wasser sind Egos messbar. In Metern. 181 Meter spannt die derzeit größte Yacht der Welt zwischen Bug und Heck: die 2013 von der Bremer Lürssen Werft erbaute „Azzam“ für Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan, den Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate.

Geschätzte 600 Millionen US-Dollar soll der schwimmende Palast gekostet haben, der über sieben Decks, zwei Schwimmbäder, eine Disco, ein Mini-U-Boot sowie ein Raketenabwehrsystem verfügt. Dass das Ende der Fahnenstange damit aber noch lange nicht erreicht ist, zeigt der südkoreanische Designer Chulhun Park.

In Zusammenarbeit mit der US-Werft Palmer Johnson hat er das Konzept für eine Yacht entwickelt, die mit 229 Metern nicht nur die mit Abstand längste der Welt wäre. Mit geschätzten 800 Millionen US-Dollar Baukosten wäre „Valkyrie“ (zu deutsch „Walküre“) auch die teuerste.

Interessant ist der Vorschlag nicht nur wegen der stattlichen Maße, sondern ebenso wegen der anvisierten Besitzverhältnisse. „Die meisten Menschen betrachten Superyachten als exklusives Eigentum von Milliardären. Diese Yacht hingegen würde eine schwimmende Architektur sein, die öffentlich zugänglich wäre“, so der Absolvent des renommierten Royal College of Art in London.

An Bord des Trimarans sind ein Theater, ein Casino, eine Galerie, mehrere Restaurants sowie eine große Multifunktionshalle geplant. „Die Öffentlichkeit könnte durch den Kauf von Tagestickets Zugang erhalten. Auch wäre es vorstellbar, dass Firmen einzelne Räume für Events und Präsentationen anmieten und dafür eine gewisse Zahl an Gästen einladen können“, so Chulhun Park.

Die „Valkyrie“ ist für ihn ein schwimmender „Entertainment Hub“, der Platz für 52 Passagiere in 26 Kabinen bietet. Auch sie wären einzeln zu vermieten und könnten dem Besitzer – einer Privatperson, einer Gruppe mehrerer Personen oder einem Unternehmen – weitere Mehreinnahmen bescheren.

Yacht-Sharing ist derzeit noch ein Nischensegment, das jedoch kontinuierlich wächst. „Auch Leute mit Geld wollen kein Geld verbrennen. Es ist wunderbar, bei schönem Wetter entlang der Küste von Südfrankreich zu fahren, Freunde einzuladen und die See zu genießen“, sagt Matty Zadnikar. „Aber am Ende der Saison kommen Rechnungen, Rechnungen, Rechnungen. Man zahlt zwölf Monate im Jahr die laufenden Kosten. Aber bestenfalls ist man fünf oder vielleicht auch sechs Wochen im Jahr an Bord. Man zahlt also sehr viel für relativ wenig.“

Der Niederländer verkauft mit seinem Unternehmen SeaNet Anteile an Benetti-Yachten, die sich jeweils zwei, drei oder vier Eigner teilen. „Wir kämpfen in Europa noch sehr mit dem Gefühl, dass es meins sein muss. In Amerika sind wir da schon viel weiter. Wir merken den Wandel vor allem bei jüngeren Kunden, die mit Internetfirmen sehr viel Geld gemacht haben. Sie sind weniger am Eigentum, sondern mehr am Nutzen interessiert“, erklärt Zadnikar.

Schwimmender Members-Club

Steht bei seinem Geschäftsmodell vor allem die Absenkung der Anschaffungs- und Betriebskosten im Mittelpunkt, geht die Konzept-Yacht „Valkyrie“ noch einen Schritt weiter. Durch Sharing können Lösungen und Ausstattungen an Bord finanziert werden, die sich selbst Scheichs und Oligarchen nicht leisten können oder wollen.

Die „Valkyrie“ verschmilzt eine Superyacht und ein Kreuzfahrtschiff zu einer neuen Typologie: eine Art schwimmender Members-Club, der auch für solvente Nicht-Mitglieder offen steht – vorausgesetzt, sie haben die richtige Empfehlung. Auffällig an Bord der „Valkyrie“ sind weitläufige Flächen, die den Blick aufs Meer öffnen und viel Platz für Sonnenliegen und Outdoor-Sitzecken bieten.

Das Design der Yacht basiert auf einer Trimaran-Form, die die Werft Palmer Johnson erstmals 2015 mit der Yacht „Khalilah“ angewendet hat. Die Bauform mit drei Rümpfen vergrößert die Nutzfläche in den Innen- und Außenräumen um 25 bis 30 Prozent.

„Durch den geringeren Wasserwiderstand verbraucht die Yacht 50 Prozent weniger Treibstoff als mit einer konventionellen Einrumpf-Form“, erklärt Chulhun Park. Weiterer Effekt: Die Yacht wird schneller und wendiger. Park ließ sich aus gestalterischer Perspektive auch von Performance-Yachten wie der 2015 vorgestellte „Ghost“ inspirieren. Die 144 Meter lange Konzept-Yacht ist vom britischen Designer Ken Kreivokh entwickelt worden und mutet mit ihrem aerodynamisch optimierten Rumpf wie eine Mischung aus Schiff, Hochgeschwindigkeitszug und Flugzeug an.

Mini-Monaco auf See

Das Nutzungskonzept zeigt Parallelen zur Konzept-Yacht „The Streets of Monaco“, die 2011 von Yacht Island Design in Zusammenarbeit mit den Schiffsingenieuren BMT Nigel Gee (beide aus England) entwickelt wurde und zudem mit einer erfrischenden Portion Ironie punktet. Auf den ersten Blick erinnert das 155 Meter lange Schiff mit Platz für 16 Passagiere und 70 Crew-Mitglieder an einen Flugzeugträger. Auf dessen Deck soll eine Miniaturversion von Monaco errichtet werden – einschließlich Spielbank, Hotel de Paris, Fürstenpalast, mehrerer Pool-Anlagen (eine davon erinnert an den Port Hercule), Tennisplätze, U-Boot-Hafen und einer Go-Kart-Bahn in Form der berühmten Grand-Prix-Strecke.

„Wir sind nicht länger an die Restriktionen einer konventionellen Rumpf-Form gebunden. Darum setzen wir unsere Designs auf schwimmende Plattformen. Das entfesselt kreativen Spürsinn und Individualität“, erklärt das Team von Yacht Island Design seinen Ansatz.

Während die „The Streets of Monaco“ – auch sie mehr ein schwimmender Club als eine konventionelle Yacht – noch im Reich der Fantasie verortet ist, ist Chulhun Park schon einen Schritt weiter. Aktuell, so verriet er CNN, ist er bereits mit mehreren Interessenten am Bau der „Valkyrie“ im Gespräch.