Sonnenstrahlung: UV-Belastung beim Segeln – die unterschätzte Gefahr


 
 
 

Gehört der UV-Nikap bald zum guten Ton unter Seglern? Oder müssen wir uns wie Tuaregs schützen? Immer mehr Segler gehen vermummt aufs Wasser. Tatsache ist: Die Sonne kann uns schwer schaden.

Man sieht sie immer häufiger: Segler und Seglerinnen, die sich nur noch mit Nikap-ähnlichem Sonnenschutz aufs Wasser wagen. Ein Trend, der derzeit aus den USA, vor allem aber aus Australien und Neuseeland zu uns herüber schwappt.

Die Profis down-under haben schon vor mehr als einem Jahrzehnt damit begonnen, ihre Basecaps gegen effizienteren Sonnenschutz für die Kopfhaut, den Nacken, die Schultern und eben auch fürs große Teile des Gesichts einzutauschen. Den Rest des Körpers schützen sie ohnehin mit Funktionswäsche, die auch als Sunblocker dient.

Eine Methode, die sie sich von den Surfern abgeschaut haben: Auf und in den Wellen ist es längst „out“, die Körper schutzlos den starken Belastungen (auch bedingt durch das damals stark wachsende Ozonloch) auszusetzen. Funktionskleidung mit eingebauten UV-Schutz ist seitdem ein Muss für alle Sportler geworden, die nah am, im und auf dem Wasser aktiv sind.

Doch was ist mit dieser nahezu vollständigen „Verschleierung“ des Kopfes und des Gesichts? Es sieht gelinde gesagt seltsam aus, wenn man wie ein Tuareg verkleidet auf dem Laser ausreitet, auf der TP52 verschleiert am Ruder steht oder während der Bundesliga vollvermummt die Schiedsrichter erschreckt.

Vielleicht sollte man die Frage anders stellen. Denn gutes Aussehen und modischer Look hin oder her, ein möglichst vollständiger Schutz aller der UV-Strahlen ausgesetzten Körperteile, wird auch in unseren Breitengraden immer wichtiger.

Dermatologen und Hautkrebs-Forscher warnen seit vielen Jahren vor den Folgen einer zu intensiven UV-Strahlenbelastung auf der menschlichen Haut. Nicht zuletzt, weil die Zahl der Hautkrebserkrankungen in Deutschland steigt. Wenn auch zeitgleich berichtet wird, dass der größte Teil aller Hautkrebsarten bei rechtzeitiger Diagnose geheilt werden kann.

Entsprechend mag es zwar etwas seltsam aussehen, wenn sich mittlerweile sogar Profisegler, die beim Training mitunter 10 – 14 Stunden intensiver Sonneneinstrahlung inklusive Reflexionen von der Wasseroberfläche ausgesetzt sind, mit diesen neuartigen Gesichtsvermummungen schützen. Sinn macht es allemal.

Erdmann schützte sich nie

Dass man die Schäden, die durch Sonneneinstrahlung auf unserer Haut entstehen können, ausgesprochen ernst nehmen sollte, ist mittlerweile auch bei Salzbuckeln und Blauwasserseglern angekommen.

Wie zum Beispiel bei der Deutschen Weltumsegler-Ikone Winfried Erdmann. Der bekennende Sonnenschutz-Ignorant behauptet, dass er sich bei seinen epischen Törns (Einhand-Nonstop-Weltumseglung, Etappen-Weltumseglung, Einhand-Nonstop gegen die vorherrschenden Wind- und Strömungsrichtungen etc.) niemals um einen Schutz vor der Sonne gekümmert habe.

Heute wisse er es jedoch besser, beteuert Erdmann gegenüber den Kieler Nachrichten anlässlich eines Hinweises auf die Veranstaltung der Dermatologin Dr. C. Kähler beim Kieler Yacht-Club am 8. März. Der Titel: „Segeln und Hautkrebsprohylaxe – Ein Widerspruch?“ Dabei engagiert sich Erdmann aktiv.

Sichtbar mehr Schädigungen

Wer selbst ein wenig „rumkommt“ und sich in den Häfen nördlicher wie südlicher Meere und Seen umschaut, hat bemerkt, dass man immer häufiger Seglern begegnet, die sichtbare Schädigungen auf der Haut tragen. Was mit dem heutigen Wissen nur wenig erstaunt: Je länger der Mensch seine Haut einer intensiven UV-Bestrahlung aussetzt, desto höher das Risiko für eine Hautkrebserkrankung.

Früher wurde das jedoch ganz anders gesehen. Sprüche und Seebärregeln wie „erstmal einen Sonnenbrand als Basis, dann wird die Haut schön braun!“ mögen heute etwas befremdlich klingen, wurden vor Jahrzehnten aber treu befolgt.

Heute hat sich etwa das Wissen um die Gefährlichkeit von Sonnenbränden auch in breiten Schichten der Bevölkerung durchgesetzt. Und dennoch wird über einen zünftigen Sonnenbrand auch heute noch eher gelacht, als dass die betroffene Person bedauert wird.

Dabei ist die vermeintlich kleine Unachtsamkeit, selbst dann, wenn die Haut nicht großflächig betroffen ist, ein hohes Risiko für das größte Organ unseres Körpers. Die Folgen sind oft erst nach vielen Jahren zu spüren: Irreparable Zellschädigungen, Veränderungen am Erbmaterial, Ausbildung von Krebszellen.
Umfassender UV-Schutz

Nach heutigem Kenntnisstand ist also ein möglichst umfassender Schutz vor Sonneneinstrahlung auf dem Körper gerade für Segler enorm wichtig. Dass die oben erwähnten „Vermummungen“ dabei in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen werden, ist „der Lauf der Dinge. Doch auch mit eher klassischen Methoden kann man sich weiterhin wirksam schützen. Letztendlich kommt es dabei hauptsächlich auf eine konsequente Haltung der Segler an.