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China will „Weltsegelmacht“ werden

China spielte auf der internationalen Landkarte der aktiven Segel-Nationen bisher keine große Rolle. Aber die Machthaber meinen es nun offenbar Ernst. Ein neuer Deal soll den Weg bereiten.

Chinesische Ambitionen, in der Welt des internationalen Segelsports, eine Rolle zu spielen, sind besonders seit dem America’s Cup 2007 im Gedächtnis. Das Team startete mit großen Erwartungen und französischer Hilfe, aber der Geldhahn wurde früh abgedreht und der rote Drachen segelte chancenlos hinterher.

Später gewannen die Chinesen bei den Olympischen Spielen 2008 eine Goldmedaille im Surfen und Xu Lijia holte im Laser Radial nach Bronze 2008 vier Jahre später in London Gold. Danach wurde erneut ein chinesisches Team als America’s Cup Herausforderer vorgestellt für 2013, und der Australier Mitch Booth steuerte 2011 kurzzeitig bei der AC World Series einen AC45 Kat unter der roten Flagge, bis sich das Team wieder auflöste.
Lijia Xu, China segeln

Danach segelte Match Race Weltmeister Taylor Canfield mit seinem China One Team für das Reich der Mitte und befeuerte Gerüchte zu einem erneuten Einstieg in den America’s Cup. 2019 wird ein chinesisches Team auch beim Sail GP unter Skipper Phil Robertson am Start sein. Er hat die beiden Chiesen dabei, die 2018 beim Volvo Ocean Race Sieg zu Nationalhelden wurden.

Das Volvo Ocean Race erschien zuerst auf der Landkarte der Chinesen. 2008 wurde das wenig erfolgreiche britische Team Green Dragon mit Ian Walker als Skipper unterstützt, und danach stieg die Dongfeng Motor Corporation als Sponsor von Charles Caudrelier in die Hochsee-Regatta ein. Nach Rang drei bei der Premiere gelang der Sieg in diesem Jahr. Und die damit verbundene Aufmerksamkeit in China mag der Grundstein für weitere Segel-Engagements im Riesenreich geworden sein.

Jedenfalls versuchen die Chinesen, den Sport näher an die Basis zu bringen. Ein Zeugnis davon ist das langjährige Engagement mit dem Clipper Round the World Race, bei dem sich Amateure einkaufen können, um mit gleichen Yachten um die Welt zu segeln.

Die Teams werden gesponsert und seit 2005 ist Qingdao als Geldgeber dabei, der Ort, wo 2008 die Olympischen Segelwettbewerbe ausgetragen wurden. Als erster Chinese nahm Guo Chuan auf “Qingdao” am Clipper Race teil. Er wurde danach zur Berühmtheit im Land, als er 2013 mit einem 40-Fußer nonstop, einhand um die Welt segelte. 2o15 bezwang er mit Boris Herrmann die Nordostpassage, 2016 blieb er tragisch auf See.

Bei der Clipper-Race-Auflage 2017/18 segelten sogar zwei der 12 gestarten Yachten unter chinesischer Flagge – und sie landeten auf den Plätzen eins und drei. “Sanya Serenity Coast” siegte unter der australischen Skipperin Wendy Tuck. Und der Deutsche Chris Kobusch führte “Qingdao” auf den letzten Podium-Platz.

Vor diesem Hintergrund macht die jüngste Meldung von Clipper Ventures Sinn. Die britischen Organisatoren Clipper Round the World Yacht Race um Sir Robin Knox-Johnston haben eine weitreichende Kooperation mit den Chinesen angekündigt:

Die Pressemitteilung:

Clipper Ventures, der britische Organisator des Clipper Round the World Yacht Race, das von Sir Robin Knox-Johnston und William Ward OBE mitbegründet wurde, hat die größte Erweiterung seiner 23-jährigen Geschichte bekannt gegeben. Die Eröffnung einer neuen Abteilung in China soll der wachsenden Beteiligung des Landes am Segeln gerecht werden.

Diese neue Dependance mit dem Namen Clipper China zielt darauf ab, in ganz China Offshore-Segeltraining und Segelevents zu entwickeln. Clipper China betreibt nicht nur seine eigenen Akademien, sondern baut auch eigene One-Design-Kielboote und Offshore-Rennyachtflotten. Die bestehende Clipper-Race-Flotte der 70 Fußer vom britischen Konstrukteur Tony Castro werden ebenfalls in den neuen Ausbildungsakademien eingesetzt und nehmen an Regatten teil.

William Ward OBE, CEO und Mitbegründer von Clipper Ventures, sagte bei der Bekanntgabe der Nachrichten auf dem ersten China Sailing Cities Forum in Peking: “Clipper Ventures ist der größte Einzelanbieter von Offshore-Segeltrainings auf der Welt. Wir haben in den letzten zwei Jahrzehnten über 5.000 Segler für die Teilnahme am Clipper Round the World Yacht Race ausgebildet, aber das Potenzial für das Segeln in China bedeutet, dass es nur ein paar Jahre dauern könnte, bis wir die gleiche Anzahl hier ausgebildet haben.

Das Interesse am Segeln in China war noch nie so groß wie heute. China ist seit 14 Jahren auf der Clipper Race Route vertreten, und wir haben hier in den letzten zwei Jahren zwei weitere Teams unter Vertrag genommen. Aus über 40 Nationalitäten unter den Crews beim Clipper Race ist China nun unser drittgrößter Vertreter.”

William fügte hinzu: “Die chinesische Segelindustrie entwickelt sich auf eine spannende Weise, und wir freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit der China Yachting Association (CYA), die unsere Kräfte bündelt, um unsere Expertise im Bereich der Offshore-Segel-Ausbildung in diese wachsende Branche einzubringen.”

Bau eigener One Design Flotten

Clipper China beabsichtigt, im nächsten Jahr seine erste Offshore-Racing-Akademie zu eröffnen, und es wird erwartet, dass die ersten Yachten in seinen One-Design-Flotten im Frühjahr 2019 zu Wasser gelassen werden.

Die Gründung von Clipper China folgt dem Treffen zwischen Clipper Ventures, der GREAT Britain-Kampagne, der CYA und der RYA während des Zwischenstopps des Clipper 2017-18 Race in Qingdao. Dort verpflichteten sich die Parteien, China durch die Stärkung der Beziehungen zwischen China und Großbritannien zu einer Weltsegelmacht zu machen.

Zhang Xiaodong, Präsidentin der China Yachting Association, erläuterte das gestiegene Interesse an der Teilnahme am Segelsport in China: “The Clipper Race ist die bekannteste Offshore-Segelmarke in China, wobei Großbritannien für sein langjähriges Segelerbe respektiert wird. Wir sind in einer starken Position, um unsere nächste Generation von Seglern anzuziehen und zu entwickeln.

400 Yacht-Clubs mit 150.000 Seglern

Das Segeln ist in den letzten Jahren sehr schnell gewachsen und die lokale Öffentlichkeit hat mehr als je zuvor an Wassersportarten teilgenommen und diese unterstützt. Im Vergleich zu den wenigen Regatten vor einem Jahrzehnt gibt es heute über 100 Regatten im ganzen Land pro Jahr. Die CYA erwartet bis 2021 über 400 Yacht-Clubs mit mehr als 150.000 Seglern, was einem Anstieg von 150 Prozent gegenüber dem derzeitigen Niveau entspricht.”

Die GREAT Britain Campaign, die ehrgeizigste Marketinginitiative der britischen Regierung, um Touristen auf die Insel zu bringen, ist seit drei Ausgaben Teampartner im Clipper Race. Sie nutzt ihre globale Plattform, um das Beste aus dem britischen Angebot zu präsentieren, und Menschen zu ermutigen, das Vereinigte Königreich zu besuchen, dort zu studieren und Geschäfte mit ihm zu machen.

Stephen Ellison, Minister und Berater der Britischen Botschaft in Peking, kommentierte die Beteiligung des Vereinigten Königreichs an der Entwicklung der Segelindustrie:

“Als Land mit einer stolzen Segeltradition und -geschichte ist Großbritannien führend in der Segelwirtschaft bei Dienstleistungen, Fertigung und Veranstaltungen. Die britische Freizeitschifffahrt, die einen Umsatz von 3 Milliarden Pfund pro Jahr und über 33.000 Mitarbeiter hat, ist weltweit anerkannt. Und ich glaube, dass es ein großes Potenzial für das Vereinigte Königreich und China gibt, zusammenzuarbeiten, um eine Segelindustrie zu entwickeln, sowie politische und kommerzielle Expertise zu teilen.”