„Route du Rhum“ – mit dem Boot übers Wasser fliegen

123 Segler gehen bei der 11. Ausgabe der „Route du Rhum“ am 4. November an den Start – Rekordbeteilung bei dem französischen Transatlantik-Klassiker. Unter den Teilnehmern Romain Attanasio, dem das Segeln nicht in die Wiege gelegt wurde: Der 41-Jährige wurde in den Alpen geboren und kommt aus einer Skifahrerfamilie:

„Ich komme aus einer Familie, die in den Bergen zuhause ist, aber ich verbrachte meine ganze Kindheit im Ausland, mein Vater arbeitete auf Montage. Wir lebten zwei Jahre in San Salvador, in Pakistan, Nigeria und Indonesien. Als wir nach Frankreich zurückkehrten, war ich 7 oder 8 Jahre alt, wir zogen nach Oise, nicht unbedingt ideal für den Segelsport. 1990 gewann Florence Arthaud die ‚Route du Rhum‘. Erinnern Sie sich an ihren goldenen Trimaran, und außerdem war sie wunderschön. Ich fand sie hinreißend und verfolgte gespannt ihr Rennen. Und dann, ein paar Wochen später, nahm mich mein Großonkel auf eine Bootsausstellung mit. So begann meine Leidenschaft für Boote.“

Romain Attanasio lernte sein Handwerk bei großen Namen des Segelsports wie Michel Desjoyeaux und Franck Cammas. Aber der Anfang war schwierig, bei seinem ersten großen Hochseerennen kenterte er und wurde von einem Frachtschiff gerettet!

Seitdem hat er sich bei Transatlantik-Regatten wie der „Transat Jacques Vabre“ oder der „Transat AG2R“ unter die Top Ten vorgearbeitet. 2017 segelte er seine erste Vendée Globe, die härteste Regatta einmal um die Welt für Einhandsegler.

Größte transatlantische Segelregatta

Euronews-Reporter Vincent Ménard: „Romain Attanasio hat uns zu seiner letzten Trainingseinheit vor dem Start der Route du Rhum mitgenommen, der größten transatlantischen Segelregatta. Heute sind die Bedingungen ganz gut, das Meer ist bewegt, aber nicht allzu sehr, was zu dieser Jahreszeit vor der Bretagne und im Golf von Biskaya auch anders sein kann.“

Die Regatta startet in Saint-Malo, der alten Piratenstadt in der Bretagne, zu einem Rennen über 3510 Seemeilen bzw. 6500 Kilometern. Nach dem Ärmelkanal müssen die Teilnehmer durch den gefährlichen Golf von Biskaya, dann geht es weiter zu den Azoren und ihren Hochdruckgebieten – hoffentlich ohne in der Flaute stecken zu bleiben. Die Passatwinde bringen die Segler dann nach Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe. Die schnellsten mehrrumpfigen Boote schaffen die Regatta in fünf bis sechs Tagen, während die besten einrumpfigen Yachten etwa 10 benötigen. Man kann davon ausgehen, dass Rekorde gebrochen werden, da es seit dem letzten Rennen vor vier Jahren gewaltige technische Fortschritte gab – insbesondere mit den Tragflügelbooten, die es ermöglichen, über dem Wasser zu „fliegen“.

Romain Attanasio: „Das sind die berühmten Foils. Früher hatten wir Finnen, um gegen das Abdriften zu kämpfen, auf diesen Booten kippen die Kiele, also stellen wir sie um 40 Grad in den Wind. Seit der letzten Vendée Globe sind es Foils, gebogene Finnen, die einen Stützeffekt haben. Das ist wie beim Autofahren, wenn man die Hand aus dem Fenster hält, hebt sie ab. Das ist die Grundidee: Geschwindigkeit lässt das Boot abheben und je weniger Reibung es gibt, desto schneller wird es.“

Ein Paar an Land, Rivalen auf dem Wasser

Sein Boot die „Pure – Famille Mary“ hat keine Foils und ist mit zehn Jahren im Wasser auch nicht das neueste Schiff. Romain Attanasio segelt in der Einrumpfklasse Imoca für 60-Fuß-Boote, er ist im Gegensatz zu Jérémie Beyou, Yann Eliès oder Vincent Riou nicht auf den Sieg aus. Selbst seine Frau, die Britin Samantha Davies, hat bessere Chancen:

„Romain und ich sind Konkurrenten, es gibt nicht viele solche Paare. Aber wir haben Boote verschiedener Generationen, also treffen wir uns auf dem Wasser eher selten. Dadurch haben wir ein bisschen weniger Konkurrenz. Wir sind glücklich, mit unseren Booten und unseren Projekten dabei zu sein und hoffen, beide anzukommen.“

Ein Paar an Land, Rivalen auf dem Wasser, Samantha Davies und Romain Attanasio, blicken bereits in die Zukunft: Beide wollen Ende 2020 bei der nächsten Vendée Globe starten.